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Das Feld grosszügig umzäunt

1980559_3_xio-fcmsimage-20131223023340-006116-52b792f42916f-.tbrt_20131223_6jajo_q5WIDNAU. Langes Herumstehen, den Sound der Vorgruppe über sich ergehen lassen und dann auf die Stars warten: Was oft so mühselig ist, war an der 16. Christmas-Party ganz anders. Viel überraschender. Viel cooler.

 

GERT BRUDERER

Klar, ein bisschen warten musste man auch hier. Doch schon um 20 Uhr 17 ertönte der erste Song. Ein Blues. Auf der Bühne standen nicht die jungen White Fences, sondern The Flying Koteletts, sozusagen der Hauptact. Sie hatten nicht nur die Newcomer in das Programm aufgenommen, sondern waren sich nicht zu schade, für sie als Wegbereiter aufzutreten.

Die Stars fürs Aufwärmen
Der Abstand zum Publikum betrug acht Meter. Im festlich geschmückten Metropol-Saal klebten die Zuhörer an der langen Bar im Hintergrund, nur drei Personen hatten den Abstand zur Bühne auf fünf Meter verkürzt, den Raum dazwischen füllte Rauch. «Have you ever seen the rain?» sang Peter Giger – Lieder der einstigen Superband CCR gehören zu den Flying Koteletts wie der Christbaum zu Weihnachten. Sieben Songs spielten die seit 20 Jahren bestehenden «Koteletts», «Boat on the river» gehörte dazu, auch «Nothing ever happens» von Del Amitri.
Noch hielten die Musiker sich aber zurück. Eine halbe Stunde lang bekannte Songs, gut gespielt, als Einstimmung, zum Aufwärmen, noch ohne besonderen Einsatz, das sollte fürs Erste genügen.

Satter «Fences»-Sound
Um neun Uhr, pünktlich, legten The White Fences los. Instrumental zuerst – mit Schlagzeug, Keyboard und Gitarre, schliesslich mit Gesang. Der erste Song klang zwar vertraut, ist aber eine Eigenkomposition. Das Schlagzeug kraftvoll, satt der Sound, die Soli hochkarätig, im Blues heulte die Gitarre mitreissend davon. Gespielt wurde Indie-Rock, aber The White Fences (zu Deutsch: die weissen Zäune) hatten den Hag grosszügig gezogen, um ein Feld aus Blues, Folk, New Wave und Garagenrock.
Nicht nur, dass bis auf die letzten beiden Songs ausschliesslich Eigenkompositionen zu hören waren, sondern auch die Präsenz von zwei Lead-Stimmen machte den Sound der Nachwuchsband zu etwas Besonderem. Security-Spezialist Kurt Kellenberger, der von Berufes wegen im Saal war, meinte anerkennend: «Eifach lässig.»

Die pure Leidenschaft
Genau! Es war ein cooler Abend, eine coole Christmas-Party. Und als dann The Flying Koteletts um zehn Uhr auf die Bühne zurückkehrten, ging die Post so richtig ab. Peter Giger war sogleich in seinem Element. Ein Wirbelwind. Er rockte mit seiner Gitarre, flitzte, turnte, gestikulierte, sang und dirigierte das Publikum, liess es mitsingen und klatschen – «erst mal diese Seite, jetzt die rechte». Bei «Honky Tonk Woman» stellten sich Bassist Thomas Lüchinger, Gitarrist Jürg Weder und Peter Giger dicht nebeneinander, ständig suchte man nach allen Seiten den Kontakt – die pure Leidenschaft schien alle anzutreiben. «Heroes» brachte einen Powerschub, danach «She said goodbye» von «Maroon 5», das Publikum war hin und weg.

The Flying Koteletts wurden ihrem Ruf als Partyband auch diesmal voll und ganz gerecht. Hingegen dürfte das Publikum von The White Fences (positiv) überrascht sein. Sarah Pareth, Thibault Huber, Manuel Waser, Thomas Seitz und Elias Pareth überzeugten mit einem soliden, eigenständigen Sound und abwechslungsreichen Programm, das die Lust auf die derzeit entstehende erste CD der Band entfacht hat.